Am Sonntag mussten wir nun ja leider früh raus. Immerhin: während der Fahrstuhlfahrt nach unten dudelte aus dem Lautsprecher eine deutsche Coverversion von Spliffs „Heut‘ Nacht“ – wer hätte das Anfang der 80er Jahre gedacht?!
Der erste Arbeitstag war voll mit Meetings. Viele neue Gesichter und Namen, die man sich nur schwer merken kann. Aber ebenso viele alte Gesichter habe ich wieder getroffen, die sich auch sichtlich freuten - Schönes Gefühl.
Abends blieb nicht allzu viel Zeit, noch etwas zu unternehmen. Zumindest haben wir dieses Mal das Hotel verlassen – wenn auch nur um in der Mall essen zu gehen. Das Restaurant war offensichtlich authentisch: die Kellner konnten kein Englisch.
Situationskomik: nachdem einer der Kellner uns nicht erklären konnte, was es mit 2 Samowaren auf sich hatte, zeigte er uns das entsprechende Schild mit den chinesischen Zeichen. Zeichen für Zeichen, so als ob das helfen würde. Zumindest hatten wir alle Spaß.
Das Essen war dieses Mal keine ganz so schlechte Wahl, aber an die zerhackten Knochen im Enten- und Hühnerfleisch werde ich mich wohl nie gewöhnen. Immerhin war es dieses Mal sehr günstig - und im Hintergrund spielte ein Duo traditionelle chinesische Musik.
Montag
Nachdem wir den Montag in getrennten Workshops und Meetings verbracht hatten, gab es am Abend eine „Team-Building“ Aktion: ein gemeinsames Essen mit etwa 11 chinesischen Kollegen. Das „Quanjude“ Restaurant in der Nähe der XieJieKou Metro Station ist spezialisiert auf Peking Ente. Und so war diese natürlich auf der Speisekarte. Ebenso natürlich fand das Essen in einem „private room“ statt.
Die Auswahl der Speisen war wieder sehr interessant und größtenteils sehr lecker: von den schon vorher einmal gegessenen, in klebriger Masse eingelegten Lotospflanzen über besagte hauchdünn geschnittene Peking-Enten-Haut, undefiniert zubereitete Aal-Stückchen, Hühnerfüßen bis zur Delikatesse „Entenzunge“ (nicht unbedingt zu empfehlen) war wieder alles dabei und noch viel mehr.
Das Schöne an einer Pekingente: keine Knochen!
Die etwa 2 Metrostationen zurück zum Hotel ging es zu Fuß. Eigentlich bräuchte man dafür vielleicht 15-20 Minuten. Meine Kollegen mussten aber fast jede Leuchtreklame fotografieren – so brauchten wir doppelt so lange ;-)
Dienstag
Ja, die Tage bestehen nur aus Arbeit und Essen. Was soll man machen? Morgens ging es wie tags zuvor mit dem Taxi vom Hotel zur Firma. Etwa 45 Minuten in recht chaotischem Verkehr. Unterschiedlichste Wege – nahezu immer die gleiche Dauer.
Am Schlimmsten aber ist die schlechte Luft. Man fühlt förmlich, wie die Lunge nach den 45 Minuten schwer wird. O.k. ist sicher Einbildung. Keine Einbildung ist, dass mein Hals zu kratzen beginnt und auch die Nase läuft. Nicht nur bei mir. Das Gleiche hatte ich vor 5 Jahren auch schon einmal. Ich hoffe, dass mich die letzten Vitamin C+Zink und die ASS Tabletten meines Kollegen auf den Beinen halten. Für die Rückfahrt wurden wir einerseits von Kollegen heim gefahren, andererseits gibt es auch die Möglichkeit, einen Shuttle-Bus zu nehmen. Die Firma hat eine Reihe von Bussen gechartert – mit entsprechendem Firmenlogo – die wochentags um 17:30 die Firma mit unterschiedlichen Routen in das Zentrum der Stadt fahren. Kostenlos. Das ist eine sehr bequeme Variante und der Bus benötigt eigenartigerweise gar nicht länger als ein Taxi.
An diesem Tag haben wir uns erneut ohne chinesische Kollegen durchgeschlagen. Eine Kollegin war vor ein paar Tagen in einem Hotpot (nicht Hotspot!) Restaurant. Das Besondere daran ist, dass man einen Topf gefüllt mit einem bestimmten Sud (Tomate, Curry, scharf …) bekommt. Dieser kocht vor sich hin und man tut die unterschiedlichsten Dinge wie Fisch, Dumplings, Gemüse, Fleisch, Muscheln, Eier usw. hinein und würzt das entsprechend mit Chili, Knoblauch usw.
Soweit so gut. Abgesehen davon, dass wir manchmal nicht wussten, was wir in die 4 Töpfe vor uns warfen – die Karte war auf Chinesisch und eine englische Variante korrespondierte nicht mit der chinesischen Karte, auf der man bestellte - war es manchmal nicht so einfach, z.B. den Tofu in den Topf zu bekommen. Noch schwieriger war es, heraus zu finden, wie lange die einzelnen Dinge im Wasser bleiben sollten und sie dann auch wirklich wieder zu finden.
Wenn uns unsere chinesischen Kollegen zugeschaut hätten, wären sie sicher vor Lachen zusammen gebrochen. Am Ende waren wir trotzdem satt und hatten unseren Spaß.
Mittwoch
Ein weiterer Tag voll mit Meetings und abends wieder ein Essen. Ein etwas anderer Kreis und dieses Mal eine Einladung von uns Deutschen. Natürlich mit Unterstützung der Kollegen, sowohl was die Auswahl des Restaurants - das "CHEF QUEEN RESTAURANT" - als auch der Speisen betrifft.
Und dieses war auf Dumplins spezialisiert, die auch wirklich sehr lecker waren. Abgesehen von kleinen frittierten Bällchen die im Inneren Käse und Beeren verbargen und sehr lecker waren, gab es aber keine ganz neuen Dinge zu entdecken. Dafür war es sehr lecker, denn unsere chinesische Kollegin, die die Bestellung aufgab ist selbst leidenschaftliche Köchin.

Donnerstag
Mein letzter Tag im Büro mit einigen Meetings und ein für mich letztes Dinner, zu dem wir eingeladen waren. Es wurde ein tibetisches Restaurant, gleich neben dem Fernsehturm von Nanjing. Dieser schon von weitem wegen der überdimensionalen Lichtreklamen sichtbare, 318 m hohe Turm war um 19 Uhr schon wider Erwarten geschlossen. Dementsprechend tot waren Parkplatz und Umgebung.
Das Restaurant war nur mäßig besucht, dafür spielte eine 3-Mann Band - aus Tibet. Gitarre, Schlaginstrument und ein Instrument, dass wie eine Flöte klang. Da ich zwar sah, dass der Spieler nichts mit dem Mund machte, musste ich in der Pause zur Bühne gehen. Es war ein zwei-saitiges Instrument, dass mit einem Bogen gespielt wurde. Auf zur Wikipedia ...
Der Sound war sehr gefällig und wie uns die Kollegen bestätigten waren es tibetische Songs. Irgendwann würden wir auch alle zum Tanz aufgefordert, wofür ich aber eindeutig zu nüchtern war.
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