Mittwoch, 18. Dezember 2019

Cashmere-Rolli im Schlafsack = Versager am Cradle Mountain

...denn es wird nachts kalt hier. Habe noch mal nachgeschaut: der Komfortbereich unserer Schlafsäcke endet bei 10 Grad, der Übergangsbereich bei 5. Den Komfortbereich hatten wir definitiv verlassen. Ich fühlte mich an den Märtyrerurlaub 1989 am Musala in Bulgarien und an das Columbia Icefield 1992 in Kanada im Camper erinnert. Ganz so schlimm wurde es nicht, auch dank Rolli und einer Zusatzdecke, aber frisch war es schon. Ist schon ein spezielles Gefühl, wenn man merkt, wie die Wärme so langsam entweicht und die Kälte sich ausbreitet. Da denkt man durchaus auch mal an die, die unter der Brücke schlafen.
Wir frühstücken, fahren zur Touristinfo und mit dem Shuttle zum Ronny Creek. Hier geht es gegen 10 Uhr los. Der Weg ist schön und abwechslungsreich, lange Zeit mit Stufen und gut ausgebautem Weg. Dann geht es steil hoch zum Marions Outlook auf ca. 1200 Höhenmeter. Von hier an wird es wieder einfach, bis zur Kitchen Hut. Kurz danach steht zu lesen, dass der Weg auf den Gipfel noch mal 2,5 h dauert. Mist. Den Rückweg mit eingerechnet wird das zu spät, um noch bis Deloraine zu kommen. Wir gehen noch etwas höher, reden mit Leuten, die schon oben waren (u.a. 2 Typen, die abends zuvor am Nachbartisch saßen) und die bestätigten, dass die Zeitangabe ernst zu nehmen ist.





Schweren Herzens entschließen wir uns, 200 Höhenmeter vor dem Gipfel umzukehren und nehmen den Face-Track abwärts. Vernünftige Versager.
Es scheint hier 2 Arten von Wanderwegen zu geben. Die erste Art kann man fast mit dem Rollstuhl machen und bei der zweiten Art muss man aufpassen, sonst kann man nur noch die erste Art machen. Die Zeitangaben für die erste Art sind definitiv überdimensioniert, die für die zweite eher unterschätzt. Der Face Track war definitiv die 2. Art. Es ging ziemlich steil über Steine abwärts. Anstrengend. Wir laufen das letzte Stück auf dem schon gestern gemachten Track zum Dove Lake, genießen einen letzten Blick auf das tolle Panorama ...





... nehmen das Shuttle mit kurzem Stopp für Bier und Kaffee, sowie Wallabies und Wombats schauen und fahren dann weiter nach Deloraine. Das Empire Hotel hat vermutlich schon bessere Tage gesehen und Mark, der es von 5 Jahren kaufte, erzählte uns aus der Vergangenheit, aber es reicht uns nach der kalten Nacht völlig. Mark lädt uns noch ein, um am Fluss - Meander, der weiter nach Launceston fließt - um nach Platypus (es gibt keinen Plural) Ausschau zu halten. Und tatsächlich: wir sehen insgesamt 3 verschiedene der hier insgesamt 9 ansässigen Tiere in freier Wildbahn (leider schlecht zu fotografieren) - bevor wir noch etwas essen und müde ins Bett fallen.

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